14. und 15. Tag: „Tierarzt oder Stellplatz?“ oder „Kristiansund, Atlanterhavsveien und Nordneset“

Am späten Vormittag ging es dann wieder los. Wir fuhren den einen Kilometer zum Fährterminal und warten etwa 15 Minuten auf die nächste Fähre, die uns von Halsa nach Kanestraum bringen würde. Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten und ist unspektakulär. Wir waren trotzdem aufgeregt, weil es unsere erste Fährfahrt in Norwegen war und wir ja extra ca. 300€ auf ein Konto in Norwegen als „Prepaid-Fährguthaben“ bei Autopass Ferje.no überwiesen hatten. 300€ im Voraus? Seid ihr bekloppt. Hoffentlich nicht, denn wenn man das macht, dann bekommt man auf fast allen Fähren einen 50% Rabatt. Ich hatte die Karte, die man mir im Voraus dann nach Hause geschickt hatte, mit unserem „Brobizz-Transponder“ und dem Nummernschild verknüpft. Wir fuhren also auf die Fähre und nichts passierte. Kein Piepen, kein garnichts… Ich fuhr in die mir zugewiesene Spur und wir warteten ab. Es kam tatsächlich nach ein paar Minuten ein Fährmitarbeiter und fragte uns, ob wir in bar oder auf Rechnung zahlen wollten. „Vi har her dette autopassferje kartet“, wollte ich sagen, aber aus meinem Mund kam:“ Wir haben, äh…we have got this ferjecard here!“ „OK, i will check this – please wait!“ Der Mann ging vor das Mobil und fotografierte mit seinem Handy das Nummernschild. „That´s right! Perfect! Nice trip!“.

2 Minuten später bekam ich die Abrechnung per Email und tatsächlich bezahlten wir bloß 5 Euro anstatt 11€ für Fahrzeuge unter 6m.

Wir fuhren weiter in Richtung Kristiansund. Wir wollten auf einer kleinen Halbinsel auf einem ruhigen Wanderparkplatz einen „overnight stop“ einlegen, um dann am nächsten Tag auf den Atlantik-high-way zu fahren. Wir bekamen wirklich einen Top-Platz, als wir ankamen und machten uns bereit, eine Spazierrunde zum Strand zu machen.

Das Wetter war nicht das Schönste, der Weg jedoch machte Spaß. Am Wegesrand waren Ziegen, die mit einem „no fence Halsband“, also einem „Kein-Zaun-Halsband“ ausgestattet waren. Immer, wenn wie sie sich zu weit vom „eigenen“ Territorium entfernten, gab es einen hochfrequenten Ton und die Tiere gingen unaufgeregt wieder zurück.

Auch Solana fand dieses Verhalten interessant und wurde ganz aufgeregt. Ich wollte am Strand noch ein paar Drohnenaufnahmen machen und Kathleen ging mit dem Hund schon mal vor. Solana war wirklich aufgeregt aufgrund der neuen Gerüche am Strand und musste alles in den Mund nehmen und eventuell fressen.

Irgendwann sagte Kathleen, dass sich Solana merkwürdig verhielt – sie würgte und keuchte. Wir versuchten, ihr ins Maul zu schauen, konnten aber nichts entdecken. Auch was sie eventuell aufgenommen hatte, wussten wir nicht…Eine Qualle? Nur Salzwasser?… Wir wollten schnell zum Auto zurück, damit sich Solana etwas beruhigen konnte, aber sie blieb immer wieder stehen und wollte partout Gras und alles, was am Wegesrand auf „Maulhöhe“ war, fressen…. Wir überlegten und schauten im Netz nach, ob es in der Nähe einen Tierarzt gab, der auch noch geöffnet hatte (Mittwochnachmittag ca. 1610 Uhr.)…Perfekt- in Kristiansand gab es eine Praxis, die noch bis 18 Uhr geöffnet hätte. Wir überlegten – da sich der Platz wieder einmal – gut gefüllt hatte, ob wir den Platz aufgeben und zur Praxis fahren, oder ob wir abwarten sollten…Denn eines war klar, nach knapp 2 Stunden, brauchten wir hier nicht wieder aufzutauchen… In Kristiansund gäbe es aber Möglichkeiten und zur Not müssten wir einen bezahlten Platz in Anspruch nehmen. Wir fuhren los….

Kristiansund ist wie Helgoland in den Neunzigern, Ein wenig heruntergekommen. Auf mehreren Ebenen – wie mit Ober- und Unterland und total kleinen Straßen. Nur der Ort ist halt wesentlich größer. Wir mussten kleine Straßen mit fiesen Steigungen fahren, um dann festzustellen, dass wir auf der falschen Seite sind, etc…. Irgendwann kamen wir an, parkten an einer „Schräge“ und gingen in die Praxis. Solana wurde untersucht, wir bekamen eine Spritze mit einer Aktivkohlelösung und eine 3 Tages-Magen-Darm-Kur. Falls die Symptome über Nacht schlimmer werden sollten, bekamen wir noch eine Notfall-Nummer mit. Perfekt.

Ich zahlte überraschenderweise nur 22€ und wir machten uns auf die Suche nach einem Platz für die Nacht. 150m entfernt und kanpp 40 Meter unterhalb der Praxis war ein Stellpatz am Hafen, den hatten wir gesehen. „Egal, dann zahlen wir halt 30€ ein, ich habe keine Lust mehr rum zu suchen.“, sagte ich. Wir fuhren hin, wurden aber enttäuscht, alles belegt.

alles voll

Wir fuhren noch 2 weitere Parkplätze an, alles belegt. Auf dem Viertem gab es die Möglichkeit, über Nacht zu stehen. Zwischen 17 und 9 Uhr sogar kostenfrei… Perfekt, bis neun würden wir weg sein. Wir suchten uns einen Platz, zwei weitere Kastenwagen waren noch da. Wir gingen, da es Solana besser ging und nachdem sie die Kohle und die erste Portion des anderen Präparates zu sich genommen hatte, noch in den gegenüberliegenden Park und wollten noch ein wenig mit dem Ballspielen. Solana spielte wild – so wild, dass die Schleppleine ein ganzes Blumenbeet „zerschredderte“, als sie drüber fegte. Wir packten den Ball weg, Kathleen versuchte, den Schaden zu begrenzen und pflanzte die herausgerissenen Blumen wieder ein.

Als wir noch einen kleinen Gang durch einen Teil, der trostlosen Fußgängerzone zum Hafen machten, fragte ich Kathleen: „Sag, mal – hast du den Schlüssel!“. „Ja, ich habe abgeschlossen….Aber…Ich habe den Schlüssel nicht…nicht mehr…?“. Verdammt.
Nervös begaben wir uns schnellen Schrittes wieder zurück zum Blumenbeet im Park….Glück gehabt, der Schlüssel war schon auf 10 Meter Entfernung auszumachen….

Wir gingen ins Bett und schauten noch unseren Film von gestern zu Ende. An Schlaf war so aber nicht zu denken…Es war extrem laut. Motorradfahrer versuchten offenbar wiederholte Male einen Blitzstart an der gegenüberliegenden Ampel hinzulegen und je später der Abend wurde, desto lautere „Prollfahrzeuge“ kamen vorbei…Das hatten wir lange nicht. Vor allem wollten wir morgen um 0330 Uhr aufstehen, damit wir so ca. gegen 6 komplett geduscht und fertiggemacht – in Ruhe frühstücken können und dann in Richtung „Atlanterhavsveien“ aufbrechen würden.

Kathleen versuchte es so, ich nahm mir meine In-Ohr-Kopfhörer mit ANC (Aktiver Lärm Unterdrückung). Bei mir war dann Ruhe – Nachteil, auf der Seite schlafen ging so nicht…

Wir standen tatsächlich um halb vier wie gerädert auf, Solana ging es gut. Glück gehabt.

Wir frühstückten, machten das Mobil „reisefest“ und zuckelten los. Auf dem Weg gab es noch eine Ver- und Entsorgung. Was man hat, das hat man…

Nur unser Plan, ging nicht wirklich auf…Wo war die Sonne…

Wir fuhren über die Brücken der Atlantik-Road und wurden positiv überrascht.

Klar, ein wenig viel „Hype“ um die ca. 11 Kilometer lange Route….. Auf einem der Parkplätze an der Straße vor einer der Brücken – die nicht völlig überlaufen mit Wohnmobilen war, parkten wir kurz. Ich flog mit der Drohne, auch wenn ich mir schönere Sequenzen mit Sonne ausgemalte hatte.

Eigentlich wollten wir bis ca. Molde fahren und dort übernachten. Aber Kathleen sagte: „Lass uns noch ein wenig „abseits“ irgendwo kurz anhalten, einen Apfel oder nachher Mittag essen – Wir haben doch ewig Zeit, es ist gerade 10!“

So machten wir es und fanden eine kleine geschotterte Stichstraße direkt am Wasser. Offensichtlich Privatgrundstück. Wir fanden eine Sitzgarnitur mit einem Briefkasten vor. Auf dem Briefkasten war ein Ausdruck. Ein Bild von einem Trecker war darauf zu sehen und auf Englisch stand dort, dass man sich hier eine schöne Zeit machen solle, aber der Enkel (2 Jahre) spart auf seinen ersten Trecker und er würde sich über 10€ freuen. Wenn man denn wollte.

Trecker für den Enkel

Das fanden wir irgendwie witzig – vor allem , weil man dann hier aufgrund der Größe des Platzes alleine sein würde. Ein Zweiter müsste dann schon „dreist“ sein….

Nachdem wir uns entschlossen hatten, zu bleiben, riss die Wolkendecke auf, die Sonne kam heraus und wir hatten einen schönen Tag mit Faulenzen und einem wirklich grandiosen Spaziergang am späten Nachmittag. Ab hier sind Bilder vermutlich aussagekräftiger als Worte, also viel Spaß beim Schauen!


Erschöpfft – Schlaft gut!

Wenn ihr diesen Eintrag nicht als Email lest, sondern auf der Seite, dann könnt ihr alle Bilder durch anklicken (auch in den gekachelten Galerien) größer machen! Gute Nacht!

Ein Kommentar zu “14. und 15. Tag: „Tierarzt oder Stellplatz?“ oder „Kristiansund, Atlanterhavsveien und Nordneset“

  1. Ich bin ein bißchen traurig. Dass der Urlaub ein bisschen anders ausfällt als gedacht und vorbereitet. Ich hoffe, dass es nur besser wird.

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