9. Tag: Mosjoen und Laksforsen

„Sag mal, ist heute schon der 9. Reisetag? Ist Freitag, oder schon Samstag…?“ Auch wenn wir noch keine richtige Reiseroute haben – das Wetter macht uns im Moment einen riesigen Strich durch die Rechnung – merkt man, dass man im Urlaub so langsam ankommt, wenn man nicht weiß, welcher Tag heute ist….

So ging es mir heute morgen. Es nieselte und es machte keinen wirklichen Unterschied, ob die Jalousien nun unten oder oben waren…Wir waren träge, aber wir hatten zum Glück gestern Abend schon einen kleinen Plan geschmiedet. Wir wollten nur 70 Kilometer weiter südlich, die kleine Stadt Mosjoen anschauen. Je nachdem, ob es uns gefiele, würden wir dann dort bleiben, oder weiter fahren.
Wir frühstückten in Ruhe und fuhren los.
Auf der Fahrt, mussten wir leider direkt mit zusehen, wie ein Auto auf der Gegenspur 2 junge Mitglieder einer Entenfamilie mit seinen Reifen erwischte. Das Fahrzeug vor uns war langsam gefahren – wir hatten uns schon gewundert – ich zog auf die Mittellinie, machte den Warnblinker an. Ich sah, dass zwei junge Enten auf dem Boden zappelten… Ich zog meine „Tankhandschuhe“ an und ging zum „Unfallort“. Die Besatzung des Fahrzeuges vor uns gestikulierte wild und redete. Irgendwann merkten sie, dass ich nichts verstand und schalteten auf Englisch um. Sie beschwerten sich, dass der Fahrer auf der Gegenspur so skrupellos einfach weiter gefahren sei. Ich schaute mir die beiden jungen Enten an – nachdem ich der Gegenspur durch eine „gewichtiges“ Zeichen klar gemacht hatte, dass es jetzt ein paar Minuten hier nicht weiter gehen würde. Die Schlange hinter uns wurde auch immer länger, aber egal – unser Mobil stand nicht überholbar auf der Mitte der E6. Leider war ein Entlein sehr stark verletzt. ich nahm es und legte es vorsichtig hinter die Leitplanke an der Seite, zu der die Familie geflüchtet war…. Das andere machte einen weniger verletzten Eindruck – blutete aber auch leicht und drehte den Kopf immer hin und her….Auch dieses legte ich vorsichtig in Gras etwas abseits der Leitplanke. Ob eines der beiden es geschafft hat? Wir wissen es nicht – aber mehr konnten wir in der Situation auf die Schnelle nicht tun. Die Norweger im Auto vor uns waren überrascht von der schnellen Reaktion und bedankten sich bei mir.

Mit einem mulmigen Gefühl fuhren wir weiter.

Nach einer kurzen Fahrt kamen wir im Nieselregen in Mosjoen an. Wir hatten gelesen, dass es hier ein, zwei Gässchen mit netten alten Holzhäusern geben müsste. Für den Moment regnete es uns aber zu doll und wir beschlossen, uns mit einer „oldschool“ Papierkarte einen Überblick über die Mitte und den Süden Norwegens zu verschaffen. Daneben lagen ein Tablet und zwei Handys – wir schauten uns auf Wetteronline und YR.no (dem örtlichen, staatlichen Wetterdienst) die Vorhersage für die nächsten Tage an und kamen zu einem ernüchternden Ergebnis: an der Westküste würde sich das Wetter eher verschlechtern und mit 10-15 Grad und permanenten Regenschauern zeigen. Eine wirklich stabilere Vorhersage gab es erst wirklich südlich. Also würden wir jetzt recht schnell nach Stavanger oder Kristiansand fahren. Der Süden Norwegens soll auch recht nett sein. Mal sehen. Zumindest gibt es dort mehr Straßen, Wege und Orte an denen man sich aus dem Weg gehen kann. Hier oben gibt es eigentlich nur die E6….Aber auch die Küste zwischen Oslo und Göteborg kennen wir noch nicht, vielleicht lassen wir uns dort etwas mehr Zeit? We will see… Noch sind wir hier… Ach, ja….Mosjoen… Mittlerweile war es etwas aufgeklart (das war so gar nicht vorhergesagt) und wir zogen uns dicke Fleecejacken, eine Softshelljacke drüber und große Fleece-Dreieckstücher an. Es waren schließlich nur 12 Grad…(Da würde ich zu Hause meine Winterjacke anhaben…)

Wir haben dann tatsächlich noch ein paar nette Aufnahmen machen können und kamen dann zu dem Schluss, dass wir das „Beste“ aus Mosjoen herausgeholt hatten und machten uns zur zweiten kleinen Etappe von etwa 30 Kilometer zum Laksfors-Wasserfall auf.
Hier gibt es direkt am Wasserfall ein Restaurant und ein Souvenirgeschäft (das klang nach „Touri-Verlade“). Als wir ankamen, war hier aber recht wenig los. Wir machten ein paar Fotos, ich flog ein wenig mit der Drohne rum und dann wollten wir eigentlich im Restaurant schauen, ob wir leckeren Lachs bekommen würden… Es kam aber ein großer Reisebus und wir beschlossen erst abzuwarten, ob die Reisegruppe jetzt erst ins Restaurant stürmte, oder nicht. Die Gruppe ging aber geschlossen zum Wasserfall und wir ins Restaurant.

Das Restaurant war sehr nett „nordisch“ gestaltet. Wir suchten uns einen Tisch und setzten uns und wunderten uns nach einiger Zeit, dass niemand kam. Ich ging zum Tresen und fragte, ob man hier bestellen müsste. Das wurde „bejaht“ und wir bestellten uns zwei Gerichte und Getränke.

Wir beschlossen – hier vor Ort – zu übernachten. Also machten wir noch einen kleinen Spaziergang in der Umgebung und schauten mit einem kleinen Getränk in der Hand dem regen Treiben der Besucher und derjenigen, die unser Mobil mit den Luftkissen anschauten zu….Immer wieder rangierten einige Wohnmobile auf und ab, aber gaben dann auf, da sie ihre Fahrzeuge nicht vernünftig gerade bekamen. Schlafen oder Duschen bei einem schrägen Fahrzeug ist das eine, aber wenn der Absorberkühlschrank nicht richtig läuft, die Butter weich und das Bier warm wird, hört der Spaß auf….

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