Tag 25/26: Am Oberländer Kanal und kurz hinter Danzig…

So richtig im Klaren muss man sich ja auch gar nicht sein, wie es denn nun nach Hause geht. Eines ist aber klar, da wir keine „Aussteiger“ sind, wird es auf jeden Fall in der nächsten Woche nach Hause gehen…

Entschieden hatten wir uns auf jeden Fall für zwei Faktoren, die berücksichtigt werden müssten:
1. Einigermaßen vernünftige Straßen mit kurzen Abschnitten. Für unsere Hündin reichen dann meist schon die letzten 4-5 Kilometer „Hupelstrecke“ bis zum endgültigen Stellplatz, da wir ja meist keine „offiziellen“ Plätze anfahren.
2. Trotz gleicher Richtung keine Dopplung von Stellplätzen / Orten an denen wir 2015 schon waren.

Kate hatte sich also beim Frühstück unseren „alten“ Polen-Wohnmobil-Führer, den wir auf der Reise 2015 benutzt hatten, geschnappt und ein wenig geschaut, was wir damals ausgelassen, oder als Kategorie B eingestuft hatten. Im Buch und im Netz sah „Ostroda“, also „Osterode in Ostpreußen“ ganz nett aus und somit entschlossen wir uns einen Stopp über Mittag dort einzulegen. Ab Ostroda könnten wir dann auf der sehr gut ausgebauten S7 weiter in Richtung Trojmiasto, der Dreistadt – also Danzig, Gdingen und Sopot weiter fahren.

Die Fahrt ging also los und wir zuckelten langsam auf einer – zwar gut befahrbaren – aber schier endlos scheinenden, sich in knackigen Kurven durch die hügelige Landschaft ziehende Straße nach Ostroda. Wenn uns der kostenlose Parkplatz am Kulturzentrum „Amphitheater“ gefallen würde, könnten wir auch über Nacht bleiben.

Der Parkplatz war jedoch ziemlich eng und es war verhältnismäßig viel los und so entschieden wir uns, erst einmal mit Frau Hund die Promenade auf und ab zu gehen. Die Promenade war nett gemacht und es gab mehrere Eisbuden, Restaurants und einige „Kinderspielgeräte“. Nach einer halben Stunde waren wir eigentlich bedient und unsere Hündin auch sichtlich überfordert. Laute Stimmen, die Promenade voll mit potentiellen Fress-Gelegenheiten, unfassbar viele Familien mit Hunden sorgten bei ihr für sichtliche Erschöpfung und Reizüberflutung. Wir gingen also langsam zum Mobil zurück – dort wollten wir Cindy eine Stunde allein lassen und in dem nett aussehenden kleinen Restaurant „Tawerna“, das direkt vor uns lag, Essen gehen.

Das Restaurant war gegen späten Mittag ziemlich gut besucht und somit warteten wir etwas auf unsere überbackenen Schnitzel mit Champignons, die ich auf „bestem und flüssigstem“ Polnisch bestellt hatte.

Als Alternative – falls wir nicht über Nacht in Osterode bleiben würden – hatten wir uns einen Parkplatz direkt am Oberländer Kanal ausgesucht. Den kostenlosen Campingplatz, den wir 2015 hier besuchten und den ich vorgestern schon kurz angesprochen hatte – gibt es so nicht mehr, er wird offenbar jetzt von irgendjemanden „betrieben“ und ist seit 2 Jahren kostenpflichtig. Da wir ja auch keine Dopplungen wollten und wir eigentlich nicht für Dienstleistungen bezahlen wollen, die wir nicht nutzen, dachten wir, dass der Parkplatz 5 Kilometer davor eine gute Wahl sein würde. Die Anfahrt, war nicht mehr ganz so holperig wie 2015, es wurde die Straße schon teilweise erneuert, aber noch nicht ganz fertig gestellt.

Am Parkplatz angekommen, mussten wir feststellen, dass er – selbstverständlich – gut belegt war. Die Passagiere der beiden kleinen Fahrgastschiffe, die gerade im Begriff waren, am Steg anzulegen,hatten hier ihre Fahrzeuge abgestellt und würden dann gleich verschwunden sein. Bei „IOverlander“ fanden wir die Beschreibung, dass man am besten erst gegen 17 Uhr ankommt und am nächsten Morgen – wenn´s geht um 0900 Uhr wieder abfährt. Dann hätten die Kapitäne der Schiffe nichts dagegen, dass man hier nächtigt. „Freistehen“ ist in Polen ja offiziell nicht erlaubt und wenn die Community möchte, dass solche „Spots“ bestehen bleiben, sollte man diese Art von „agreement“ wohl eingehen.

Wir suchten uns also erst eine kleine Lücke und wie vorhergesagt waren kurz nach dem Anlegen der beiden Schiffe, die Gäste verschwunden und nur noch die drei Autos der Crew vor Ort, die noch die Schiffe aufklarten.

Die beiden Mobile, die vor uns schon da gewesen waren, schickten sich mit uns parallel an, ihre Fahrzeuge auf dem Platz zu nivellieren – ohne Keile oder Kissen zu benutzen. Eine solche Tätigkeit wird innerhalb der community schon als „campinghaftes Verhalten“ gewertet und ist dementsprechend verpönt. Bisher hat es bei uns auch immer gut geklappt, wir bereiten auf solchen „Freisteh-Plätzen“, die irgendwo im Nirgendwo sind, unser Auto immer auf einen „jump-start“ hin, falls man innerhalb kürzester Zeit in der Nacht, oder am nächsten Morgen spontan los muss. D.h. es liegt nichts lose im Mobil rum, alles ist so verstaut, als würden wir fahren. Unsere Nivellierungskissen benutzen wir dann natürlich auch nicht, sondern rangieren so lange rum, dass wir einigermaßen sicher sind, dass die Dusche am nächsten Morgen abläuft 😉

Wir standen also am nächsten Morgen früh auf, damit wir spätestens gegen 0830 Uhr weg sein würden. Als Kate mit Cindy gegen 0745 eine kurze Platzrunde drehte, sprach sie einer der Kapitäne auch direkt (aber wirklich freundlich und auf bestem Deutsch) an, dass es super wäre, wenn wir gegen 0900 weg wären, da dann ein Reisebus mit Gästen käme, der hier genug Platz zum Drehen bräuchte.

Na, klar. Gegen 0835 waren wir fix und fertig und die Fahrt ging los. Wir hatten uns (aus nun schon mehrfach besprochenen Gründen 😉 –> s.o. ) gegen einen Besuch von der Trojmiasto sondern für einen wirklich abgeschiedenen Picknickplatz im Wald entschieden, auf dem man auch legalerweise campen (bzw. eigentlich ist damit nur Zelten gemeint) erlaubt sei. Da ja Wochenende ist, stellten wir uns darauf ein, dass wir nicht allein sein würden. Dann wäre ein größerer Platz von Vorteil. Wobei wir natürlich das nicht ganz so sommerliche Wetter und die wirkliche Abgeschiedenheit des Platzes als weitere Vorteile für uns sahen.

Nach einer wieder spannenden Anfahrt des Platzes, waren wir zufrieden. Es gab Platz für uns auf dem „Parkplatz“, es gab 5-6 Picknickplätze, 3 Feuerstellen und noch waren wir allein.

Wir feierten diesen Augenblick mit zwei kleinen Flaschen „Rigas“-Sekt, den wir noch aus Lettland hatten.

Nach einem kurzen Waldspaziergang – ca. 45 Minuten – kamen wir zurück und wir saßen noch kurz draußen auf einer überdachten Picknickgarnitur, aber es fing dann an zu tröpfeln und wir verzogen uns ins Auto. Während ich diese Zeilen tippe (ca. 2000 Uhr), kamen noch ein junges Päärchen, dass mit ihrem Zelt in den angrenzenden Wald verschwand und ein französicher Bulli mit Dachzelt, die 50 Meter neben uns stehen. Leider haben wir zum ersten Mal auf der gesamten Reise wirklich bescheidenen Zugang zum Netz, dass es so gerade noch möglich ist, Text ins Netz zu stellen, unsere Bilder laden schon seit 1400 Uhr hoch… Das Video versuche ich gar nicht erst, sondern lade es morgen auf der Fahrt zu Youtube. Morgen geht´s nach Nosalin (bei Slupsk), also etwas hinter der Küstenlinie der Ostsee, die vermutlich am morgigen Samstag gut besucht sein wird. Von Spots im Hinterland versprechen wir uns, dass sie vielleicht nicht ganz so voll sind. Wobei: die Befürchtung, dass es an den Wochenenden voll sein würde, hatten wir auf der ganzen Reise, aber nur am ersten Wochenende in Daugavspils traf das auch zu…

In diesem Sinne wünschen wir Euch von hier aus eine ruhige Nacht, wir genießen immer sehr bewusst die absolute Stille, die im Wald, oder an abgelegen Seen herrscht. Zzzzz.

Hier nun das „endlich“ hochgeladene Video:

3 Kommentare zu „Tag 25/26: Am Oberländer Kanal und kurz hinter Danzig…

  1. Danke, wieder fuer die ausführliche Nachricht. Hoffen für euch,dass das Wetter wieder etwas sommerlicher wird. EUCH eine gute Nacht und morgen weiter gute Reise.

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  2. Oh man, es ist so eine Freude an Euren Erlebnissen teilhaben zu dürfen 🤩 So schöne Bilder und Videos ! Danke dafür 😘 kommt gut zurück …,, weiterhin eine aufregende Reise mit vielen schönen Eindrücken und Erinnerungen….

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    1. Vielen Dank für deine Nachricht. Wir haben ein weinendes und ein lachendes Auge, weil wir natürlich wissen, dass die Reise diesen Samstag vorbei ist. Wir fahren von Dienstag bis Donnerstag noch Kates Familie besuchen und treffen uns von Freitag auf Samstag noch auf der anderen Weserseite bei Sandstedt meinen Bruder mit seiner Frau auf dem Campingplatz. Ich könnte ewig so weitermachen….LG

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