Tag 13/14: Purekkari – der nördlichste Zipfel Estlands und der „12Stunden Regen-Samstag“

Kate konnte sich eigentlich gar nicht von unserem Stellplatz mit dem schönen Blick auf den Finnischen Meerbusen trennen. Ich konnte ihr natürlich auch nicht versprechen, dass der nächste Platz mindestens genauso schön – wenn nicht schöner sei….Wir mussten ohnehin etwas hin und her planen. Der heutige Tag sollte noch super sonnig werden, der morgige Samstag würde uns mit 12 Stunden Regen tagsüber eher einen „Ruhetag“ bescheren. Am Sonntag wollen wir nach Tallin fahren und auch dort wieder irgendwo auf einem Stadtparkplatz stehen, bzw. übernachten. Da wir ja immer frei stehen und schon wieder ein paar Tage hinter uns hatten, mussten wir auf jeden Fall vorher unser „Grauwasser“ (das eher größere Problem, wie sich später herausstellen würde) loswerden und Frischwasser auffüllen. Ich baute eine Route zusammen, so dass wir auf unserem Weg zur Landzunge Purekkari (dem nördlichsten Zipfel Estlands), die im Nationalpark Lahemaa auf der Halbinsel Pärispea liegt, noch an einer „circle K“ Tankstelle vorbei kämen. Ihr wisst ja, Wasser bunkern und so…

In unserer Heckkamera sahen wir noch einmal auf den Lücker Bulli und fuhren durch den Acker los. Nach ca. 7km erreichten wir die Tankstelle und fanden auf Anhieb – den manchmal versteckten – Alukasten, in dem Druckluft und Wasseranschluss für den Winter beheizt, bereitgehalten werden. Ohne diese Einrichtung, die es bei den anderen Tankstellen so nicht gibt, hätten wir schon so manches Mal länger für die Suche von Wasser gebraucht, oder die 5L PET-Kanister Lösung in Anspruch nehmen müssen. Allerdings gabs es hier keinen Bodeneinlass bei dem Kasten und auch auf dem ganzen Areal keinen offenen Gulli…Katastrophe. Wir hatten noch 50L freie Kapazität für Grau-, also Dusch- und Abwaschwasser, das würde für die nächsten beiden Tage knapp werden – vom Gewicht mal ganz abgesehen. Wie bescheuert wäre das denn, 150l Frisch- und 150l Grauwasser mit durchs halbe Land zu schleppen….

Ok. Keine Chance auf dem Gelände…Wir fuhren noch einen kleinen Abstecher durch den Ort, aber auch hier war Fehlanzeige… Wer kommt denn auf die Idee, die drei Gullideckel, die es hier gab, nicht mit Öffnungen zu versehen….Es gab hier sowieso nur unheimlich wenig Gullideckel, an den Straßen nicht und auf den (Park-)Plätzen auch nicht. Wir entschlossen uns, auf Risiko zu gehen – wir haben immer noch einen weiteren 25L Reservekanister für Grauwasser mit. Wir sind da sehr genau, viele andere Wohnmobillisten sind da „entkrampfter“ und lassen durch den minimal geöffneten Ablaufhahn, die „Brühe“ auf einer 150km Fahrt einfach „verrieseln“…Nicht unser Stil…

Kate reichte mir eine Flasche „Baltika 0“ aus dem Kühlschrank, der alkoholfreien Variante eines echt guten Lager-Bieres aus dem Hause „Baltika“ – unserem offiziellen Tagesgetränke-Partners und die Reise ging weiter.

Auftrag an alle Besatzungsmitglieder: Ausschau nach frei zugänglichen Gullideckeln halten und nach – eigener „Verkehrs-Risiko-Abschätzung“ dem Fahrzeuglenker den Standort mitteilen.

#erleichtert

So geschah es. Kurz vor knapp, also ca. 5 Kilometer vor unserem Platz im Nationalpark, gab es tatsächlich einen Gulli, der auch noch einigermaßen erreichbar war, obgleich er am Strassenrand lag. Cool, Autarkie wieder hergestellt – checked!

Wir fuhren durch immer schmaler werdene Strassen des Lahemaa Nationalparks, dem ersten Nationalpark der damaligen Sowjetunion, der gegründet wurde, „um die nordestnische Landschaft, das hiesige Ökosystem und die Artenvielfalt als estnisches Erbe zu erhalten“….Wie wir nachher feststellen würden, war das alles aber bis zur Aufnahme Estlands in die EU Russisches Militärgebiet und nach dem Abzug ließen die Kameraden jede Menge verfallener Militärgebäude, Bunker, Hallen und Garagen mit unfassbar viel Müll inkl. Altöl und Chemikalien zurück, auf das die Forstverwaltung (RMK) hier an jeder Ecke hinweist und warnt.

Ich konnte mich nach der Ankunft entspannt zurücklehnen, der Platz war wieder ganz wunderbar, Kate war erneut begeistert und ganz aus dem Häuschen aufgrund der noch besseren Sicht und noch besseren Erreichbarkeit ihrer geliebten Ostsee.

Wir machten eine kleine Wanderung auf die Landzunge zum Wanderfelsen Purikkari und fanden einen wirklich schönen Flecken unseres Planeten vor.

Das letzte Stück musste ich alleine gehen, der „Weg“ aus kleineren und größeren Felsen wäre für unsere treue Hündin nicht das Richtige gewesen und somit musste sie warten – auch wenn es schwer fällt, wenn sich einer der Reiseteilnehmer von unserer kleinen Gruppe entfernt…Wenn sie übrigends alleine ist und sich unbeobachtet fühlt, hat sie weniger Stress damit, sich selbst ein wenig vom Mobil zu entfernen.

Zurück beim Reisemobil – in dem gerade aufgrund der prallen Sonne und dem bevorstehenden „Ruhetag“ alle 12V und 230V Geräte durch unseren Inverter über Solar geladen wurden , ja richtig: unsere Bordbatterien waren schon voll – machten wir uns ein leckeres Abendessen (Tomaten – Mozzarella -Schale aus echten Peipus See -Tomaten) und original Saaremaa (die größte Insel Estlands) Hähnchen (Broileri 😉 Stücke mit Tomaten/Paprika-Pfanne.

Zu dem Zeitpunkt hatten wir sicher die nördlichste Küche Estlands. Zum Nachtisch gab es noch einen Milchkaffee auf der Wind abgewandten Seite unseres „Food-Trucks“.

Gegen Abend füllte sich der Parkplatz, wir hatten schon vermutet, dass etliche Mobile über Nacht bleiben würden. Deshalb hatten wir uns auf dem Spaziergang schon ein paar Ausweichsplätze im Busch ausgeguckt, sollte es uns hier zu voll werden. Ihr wisst ja, es gibt unter Unseresgleichen viele „Kuschler“, die sich dann gerne sehr nah an andere Mobile stellen. Unsere Befürchtung blieb aber unbegründet, es kamen max. 5 Autos mit Leuten, die sich einfach den Sonnenuntergang anschauen wollten und nach dem Schauspiel waren wir dann mit 3 Reisemobilen allein auf dem Parkplatz. Und alle in großem Abstand…Klasse! Eine Bitte an alle, die schon Reisemobile haben oder noch kaufen wollen: Fahrt im Sommer auf die Campingplätze im Süden – hier ist es trostlos, kalt und einsam…unerträglich.

Der Sonnenuntergang war wieder beeindruckend.

Pünktlich um 7Uhr ging es heute morgen – wie angegkündigt – mit dem Regen los. Wir frühstückten – mal wirklich ganz in Ruhe – und ließen den Tag so laufen… Immer wieder machten wir eine „Wetter-checkung“, um eine kurze Passage ohne Regen abzupassen, ab und zu muss Cindy dann ja auch mal vor die Tür…

Sonst passierte heute nicht viel, wir haben gelesen, geschrieben, den Youtube-Kanal aufgeräumt, gegammelt, aus dem Fenster geguckt und wahrscheinlich freut ihr euch jetzt insgeheim, dass es uns nun auch mal trifft und es auch einen Tag ohne Sonnenschein gibt. Es sei euch gegönnt. Immer wieder bekommen wir über die Handy-App Gewitter- und Starkwindwarnungen von unserer Hausautomation. Das Wetter in Friesland scheint nicht ganz so hochsommerlich zu sein.

Erstaunlicherweise fanden wir immer wieder vereinzelt Zelte von hartgesottenen Campern hier auf dem RMK Areal. Zur Info: Diese Plätze werden von Touristen und Einheimischen wohl sehr gut genutzt – es gibt keine Infrastruktur, außer gusseisernen Grills und kostenlosem Lagerfeuerholz.

Wir wünschen euch einen schönen Abend – wir werden heute vielleicht mal wieder einen Film oder unsere Serie weiter gucken. Mal sehen, ob der Fernseher überhaupt noch geht…. Dank allerbester Mobilfunkversorgung und der Telekom als Mobilfunkpartner, wird unser Datenverbrauch für Radio / Fernsehen und vor allem Youtube Videos hochladen NICHT auf unser Datenvolumen angerechnet und das seit diesem Jahr sogar in der gesamten EU (inkl. Schweiz) #Europaistgeil #DABEI

Ein Kommentar zu “Tag 13/14: Purekkari – der nördlichste Zipfel Estlands und der „12Stunden Regen-Samstag“

  1. Wieder einmal danke für die schoenen Bilder und Kommentare. Freuen uns schon immer auf den nächsten Tag. Druecken die Daumen, dass das Wetter wieder sich von der guten Seite zeigt.

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