Die Nachteile des „ungeplanten Reisens“, oder „…sofern man sich dadurch nicht von interessanten Umwegen abhalten lässt.“

Irrwege…

Auf dem Waldparkplatz standen wir zwar schräg – beim Freistehen fahren wir nicht auf unsere Flatjacks, um im Falle der Fälle schnell und ohne Umschweife losfahren zu können – aber super ruhig.

Wir starteten früh, wollten wir in Schildau auf einem Stadtparkplatz zum Duschen „gerade“ stehen, Frühstücken und uns dann auf den „Pfad der Schildbürger“ begeben. Die Stadt Schildau beansprucht zwar für sich, Heimat der Schildbürger zu sein, (wissenschaftlich) belegt ist das aber gar nicht. Die 5 Tafeln an den „Original-Schauplätzen“ hatten auch wenig Potential, uns vom Wahrheitsgehalt dieser Behauptung zu überzeugen.

Schildau – eine Perle auf unserer Reise

Nach etwa 45 Minuten war der Gang erledigt und wir machten uns auf den Weg nach Meißen. Wir wollten am Elbufer stehen, in die City laufen um uns ein Bild zu machen und gegen Nachmittag zu den „Weinterassen Kämpfe“ fahren, um dort kostenlos zu übernachten (wir fanden „Kämpfe“ als einzigen Vertreter in der Region <Sächsische Weinstraße> im Winzeratlas). Eine vorherige Anmeldung per Telefon offenbarte uns jedoch schon, dass es die – im Winzeratlas angepriesene – Winzerplatte mit kleiner Weinprobe nicht geben würde. So entschlossen wir beim örtlichen Asia-Snack eine kleine „Nudel-Pfanne“ einzunehmen, da es im wirklich traumhaften Innenstadt-Bereich von Meißen nur original sächsische Mittagsspeisen mit Klößen, Soße und viel Rotkraut gab (nicht unbedingt unser Begehr bei 29 Grad Temperatur gegen Mittag war).

Als wir bei den Weinterassen ankamen, zeigte sich die kleine Winzer-Gaststätte als wirklich nette und urige Einrichtung, jedoch war es uns unmöglich, den Besitzer / Wirt ausfindig zu machen. Wir stellten unser Mobil an den Straßenrand (mit Blick auf die Elbe) und irgendwie waren wir (da es noch früh war – ca.15Uhr) der Meinung, dass wir bei den Temperaturen nicht noch ca. 4-5 Stunden am Strassenrand sitzen würden, bevor wir uns wieder ins Wohnmobil zurückziehen würden. Also entschieden wir uns dazu, zum „Bergbauwanderweg“ nach Nossen (zwischen Meißen und Freiberg an der Mulde) zu fahren. Dort könnten wir auf einem Wanderparkplatz schön über Nacht frei stehen und am nächsten Morgen den kleinen Lehrpfad als Morgenrunde machen. Damit nahm das Unheil seinen Lauf…

Wirklich unterschätzt hatten wir die schmalen Bundes- und Landstraßen mit tollen Steigungen (bis zu 14Prozent!!!) und Kurven, die so manchem Motorradfahrer den Puls steigen lassen. Generell auch kein wirkliches Problem, haben wir doch eigentlich Zeit… Jedoch waren zusätzlich unfassbar viele landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs, dass man schon viel Geduld aufbringen musste. … Und es gab von 10 Kreuzungen nur 7 ohne Sperrung und dementsprechend immer Umleitungen… Als wir auf dem Weg durch Nossen (nachdem wir 25km Umweg erfahren hatten) auf einmal in einem Wohngebiet mit einer – sich auf 2,3m verjüngenden – Straße waren und wir nicht mehr nach vorne weiter konnten, mussten wir 800m mit 5cm Luft auf jeder Seite des Mobils rückwärts die steile Straße wieder zurück.

800m zurück….Rückwärts…

Ein Einwohner wies uns den „richtigen“ Weg und schaute, dass während dieser waghalsigen Aktion kein Fahrzeug von hinten nachkam.

Wir folgten dem von ihm beschriebenen Weg (13km Umweg), schafften es aber nicht zum Ziel – 1km vor unserem anvisierten Platz war wieder Vollsperrung.

Nachdem ich auch zum Überfluss in die falsche Richtung auf die Autobahn aufgefahren war, fuhren wir nach 15km irgendwo ab, parkten in einem Dorf und schauten im Netz nach Alternativen. Wir fanden einen neuen – allerdings kostenpflichtigen – Stellplatz bei einem „Bike Shop“ in Limbach und fuhren los. Wir waren die einzigen Gäste auf dem schön hergerichteten Areal.

Allerdings wunderte mich die geringe Auslastung aufgrund der schlechten Faktoren (- ab vom Schuß, – keine Ver-/Entsorgung, – dafür mit 12€ teuer und durch die Autobahn laut…) nicht.

Heute wollten wir nach Dresden. Nach langer Recherche fanden wir einen Stellplatz, der neu – als umgewidmeter Busparkplatz – nahe des Zentrums kurz vom Messegelände von der Stadt Dresden eingerichtet worden war (vom 17.07.-31.10. laut Beschluss der Stadt kostenlos als Stellplatz zu benutzen). Es gab keine Infrastruktur – kein Problem für uns – wollten wir doch an der A4 am Rasthof „Dresdner Tor“ fix in einem Gulli unser Grauwasser entleeren und unsere WC-Kassette ebenfalls auf einem WC entsorgen. Guter Plan….

Kann man so machen…

Grauwasser ging noch einigermaßen, aber in den BurgerKing (als einzigen Ort mit WC) traute ich mich mit unserer Kassette nicht.

Zurück auf der A4 zeigte unser Navi noch 4 km an, jedoch war die benötigte Abfahrt mal wieder gesperrt, so wir der Umleitung folgen mussten. Zappzarrapp…wieder 25km mehr. Als wir auf dem „neu ausgewiesenen“ Platz ankamen, stellten wir unser Expeditionsmobil in den Schatten (wirklich geiler Einzelplatz) und gingen am Elbufer in Richtung Zentrum. Es war klasse – wir hatten gedacht, dass mehr Touristen unterwegs, die Innenstadt und die darin zu findenden Sehenswürdigkeiten belagert sein würden. Mit Nichten…

Gegen Mittag kamen wir zurück und stellten fest, dass es vielleicht doch schlauer wäre, die Kassette zu leeren – also machte ich mich mit dem E-Scooter auf den Weg um in der Umgebung nach einer öffentlichen Toilette zu fahnden. Nach einer einstündigen 7 km langen Rundreise kehrte ich erfolglos zurück und wir beratschlagten die weitere Vorgehensweise…Weiter fahren? Wohin? Elbsandsteingebirge? Tschechien? Nur „schnell“ entsorgen und dann hierher zurückkehren? So machten wir es. Kate und Cindy blieben mit den Stühlen und einem Buch zurück, während ich mich zu „Schaffer-Mobile“ aufmachte um „ordnungsgemäß“ die WC-Kassette zu entleeren und einen weiteren Reserve-Kanister zu kaufen, da wir unseren Zusatz-Tank (wir kennen ja das Problem, dass wir wir zwar 5 Tage mit Wasser hinkommen, unendlich Strom haben, aber halt je nach Lage nur 2-3 Tage WC-Kapazität haben) zu Hause in Varel vergessen hatten.

Nach einer knappen Stunde kam ich erfolgreich zurück und wir schmiedeten vor dem Abendessen Pläne für die nächsten Tage. Von den von der Stadt vorgesehenen 40 Plätzen sind vielleicht 20 belegt, aber die bunte Vielfalt an Reisenden lässt auch hier so etwas wie das unter Bootfahrern bekannte Hafenkino entstehen. Wir grillten und ließen den Abend ausklingen.

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